Gastrosophie

Insider kennen diesen Begriff sicher schon. Laien jedoch legen die Stirn in Falten, wenn sie zum ersten Mal das Wort Gastrosophie hören. Darunter versteht man das Zusammenwirken aller natur- und geisteswissenschaftlichen Fächer, die sich mit dem Thema Lebensmittel und Ernährung auseinander setzten. Gastrosophie zählt zu den Kulturwissenschaften. Die Inhalte dieser Wissenschaft stehen in Bezug zu den gesellschaftlichen Ernährungsgepflogenheiten verschiedener Kulturen. Aber auch wirtschaftliche Aspekte spielen eine entscheidende Rolle. So untersucht ein Gastrosoph zum Beispiel alles rund um das Thema Lebensmittelerzeugung, Lebensmittelverarbeitung und auch deren Vermarktung. Dadurch eröffnet sich für die Gastrosophen allerdings auch ein riesiges Feld. So müssen gastronomische Marktplätze im Internet auch hinsichtlich wirtschaftlicher Aspekte untersucht werden.

Die Gastrosophie – französischer Ursprung

Die Entstehung der Gastrosophie verdanken wir natürlich einem Franzosen: Jean Anthelme Brillat-Savarin. Der in Belley geborene Philosoph gilt als einer der bedeutendsten französischen Gastrosophen. Durch seine Werke über und vom Essen prägte er die Entwicklungen der Kochkunst in Europa. In der Literatur wird der Begriff für Bücher verwendet, die sich mit der Zubereitung von Speisen beschäftigen. An der Salzburger Universität ist dies gerade hochaktuell. Der Historiker Lothar Kolmer leitet das Zentrum für Gastrosophie und widmet sich mit einer Forschungsgruppe der Sammlung von Transkriptionen von alten Kochbüchern. Dabei sind die Forscher auf interessante historische und soziologische Fakten gestoßen, die nicht nur Auskunft über das Essverhalten früherer Kulturen bieten. Das Projekt leistet auch einen Beitrag dazu, dass sehr alte und seltene Kochbücher, die im frühen 18. Jahrhundert eher Mangelware waren und vorrangig in höheren Gesellschaften gelesen wurden, zu Tage gefördert werden. Wer sich der Gastrosophie auf anderem Wege annähern möchte, kann zum Beispiel am Speisekartenwettbewerb der Gastronomischen Akademie Deutschland teilnehmen. Diesen Wettbewerb gibt es seit 1980. Die Speisekarten werden nach den Kriterien wie Rechtschreibung, gastgerechte Handlichkeit, Gliederung, aktuellen Inhalt und Optik bewertet. Ein guter privater Kooperationspartner bei der Herstellung von Speisekarten ist sicher schnell gefunden.